
Im Rahmen eines informativen Vortrags durften wir Kapitänleutnant Madeleine Gerweck an unserer Schule begrüßen. Die gebürtige Nordrhein-Westfälin absolvierte ihre Ausbildung bei der Marine und war anschließend unter anderem als Presseoffizierin in München tätig.
Zu Beginn ihres Vortrags stellte sie ein prägnantes Zitat in den Mittelpunkt: „Eine gute Demokratie braucht informierte Bürger.“ In diesem Zusammenhang richtete sie die Frage an die Schülerinnen und Schüler, was Sicherheit für sie persönlich bedeute. Genannt wurden unter anderem Grundrechte, eine funktionierende Infrastruktur, Krankenhäuser sowie eine stabile Wirtschaft. All diese Bereiche müssten geschützt werden – eine zentrale Aufgabe, zu der die Bundeswehr wesentlich beiträgt.
Anhand einer Weltkarte mit den global verlegten Internet- und Datenkabeln verdeutlichte die Referentin die Bedeutung kritischer Infrastruktur. Besonders ging sie dabei auf die NATO-Mission „Baltic Sentry“ ein, mit der auch die Bundeswehr zum Schutz von Unterseekabeln in der Ostsee beiträgt. Hintergrund ist unter anderem die sogenannte „Schattenflotte“ – rund 1.300 Schiffe, die seit 2022 von Unternehmen aufgekauft wurden und immer wieder mit Sabotageakten in Verbindung gebracht werden. Die Bundeswehr übernimmt in diesem Zusammenhang Aufgaben wie Überwachung, Aufklärung und Abschreckung zum Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur.
Ein weiterer Schwerpunkt war die sicherheitspolitische „Zeitenwende“, die insbesondere seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 die politische Debatte prägt. Dabei erläuterte Frau Gerweck das sogenannte „Primat der Politik“: Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Auslandseinsätze bedürfen eines Mandats des Deutscher Bundestag und sind in der Regel auf ein Jahr befristet. Grundsätzlich sind Einsätze im Inneren nicht vorgesehen, Ausnahmen bestehen jedoch beispielsweise bei Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen.
Als Kernauftrag der Bundeswehr nannte die Referentin die Landes- und Bündnisverteidigung. Hinzu kommen internationales Krisenmanagement, Verteidigungsdiplomatie sowie nationale Krisen- und Risikovorsorge. Ein Blick auf die Entwicklung der Personalstärke zeigte deutliche Veränderungen: Von 458.782 Soldatinnen und Soldaten im Jahr 1990 sank die Zahl auf rund 182.375 im Jahr 2025. Ein einschneidender Schritt war die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011. Für das Jahr 2031 wird eine Truppenstärke von 260.000 sowie eine Reserve von 200.000 angestrebt.
Im Anschluss stellte Frau Gerweck das neue Wehrdienstmodell vor. Alle ab dem Jahrgang 2008 Geborenen erhalten einen Fragebogen. Männer sind verpflichtet, diesen auszufüllen und sich mustern zu lassen, während Frauen dies freiwillig tun können. Wer sich für den Wehrdienst entscheidet, verpflichtet sich für mindestens sechs Monate. Die Frage nach der Gerechtigkeit dieses Modells führte zu einer lebhaften Diskussion. Mehrere Schülerinnen und Schüler äußerten die Meinung, ein verpflichtendes Jahr für Frauen und Männer gleichermaßen könne eine gerechtere Lösung darstellen.
Abschließend wurde die Bedeutung des Artikels 5 der NATO thematisiert. Im Bündnisfall würde Deutschland eine zentrale Rolle als logistische Drehscheibe einnehmen: Militärische Ausrüstung würde nach Osten verlegt, während zugleich mit Flüchtlingsbewegungen in Richtung Westen zu rechnen wäre.
Zum Ende des Vortrags diskutierten die Schülerinnen und Schüler die Aussage des Bundeskanzlers: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.“ Dabei wurde insbesondere die sogenannte hybride Kriegsführung als sicherheitspolitische Herausforderung zwischen offenem Krieg und friedlichem Zustand betrachtet.
Der Vortrag bot einen differenzierten Einblick in aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen und regte die Schülerinnen und Schüler zu einer sachlichen und reflektierten Auseinandersetzung mit Fragen von Sicherheit, Verantwortung und Demokratie an.
– Thorsten Frankenberger